Von der Pferdekutsche zur eKutsche
Über Tradition & Moderne
Kutschfahrten Weimar
Mit der E-Kutsche Weimar erleben
Dirk Trommler ist seit mehr als 22 Jahren Kutschfahrer mit Leib und Seele. Über zwei Jahrzehnte spannte er täglich abwechselnd zwei seiner Pferde vor die Kutsche, um seinen Fahrgästen und Brautpaaren eine außergewöhnliche Stadtrundfahrt durch die Kulturstadt Weimar zu ermöglichen.
Als einer der ersten Kutscher hat Dirk Trommler eine große Investition gewagt. Der Pferdebesitzer hat seine sieben Pferde in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und seine traditionelle Pferdekutsche mit 2 PS gegen eine e-Kutsche mit 10 PS eingetauscht. Seither bietet Dirk Trommler als einer der ersten Kutschfahrer in Deutschland Stadtrundfahrten, Ausflugsfahrten, Gesellschaftsfahrten und Hochzeitsfahrten mit einer elektrischen Kutsche an.
Damit nahm der Kutscher neben der großen Investition zugleich ein hohes unternehmerisches Risiko auf sich. Die Entscheidung, zugunsten des Tierwohls seine Pferde gegen eine elektrische Kutsche einzutauschen war ein Wagnis. Denn die Stadtrundfahrt in einer Kutsche ist weit mehr, als nur ein touristisches Highlight, sondern sie entspringt einer historisch gewachsenen Kutsch-Nostalgie. Schließlich haben Kutschen über viele Jahrhunderte hinweg das Reise-, Transport- und Postwesen wie wir es heute kennen maßgeblich geprägt und überhaupt erst möglich gemacht.
Die Historie der Pferdekutsche
Schon im antiken Rom wurden Kutschen als gefederte Reisewagen genutzt. Jedoch geriet die seinerzeit moderne Technologie mit dem Ausklang der Antike in Vergessenheit. Die Zeit der Pferdewagen begann. Der Pferdewagen unterscheidet sich maßgeblich von der Kutsche dadurch, dass er nicht gefedert ist und kein Verdeck besitzt.
Es sollte viele Jahrhunderte dauern, bis es zur Wiederentdeckung und damit auch zur fortschrittlichen Entwicklung der Pferdekutsche als wichtigstes Reisegefährt und Transportmittel kam.
Neu erfunden wurde die Kutsche in ihrer bedeutsamen Bauform im ungarischen Ort Kocs, woher auch der Name rührt. Die Pferdekutsche war forthin über die Jahrhunderte hinweg das bedeutsamste Transportmittel. Sie diente dem Transport von Waren aller Art. Die Postkutsche belebte das Postwesen und die Reisekutsche revolutionierte die Mobilität der Menschen. Gut Betuchte leisteten sich eine edle Equipage mit luxuriöser Ausstattung als Statussymbol.
Goethes Italienische Reise
Und so trat auch Johann Wolfgang Goethe seine Italienische Reise in einer Kutsche an. Etwa 5.000 Kilometer legte Goethe in der Reisekutsche zurück. Seine Eindrücke dieser ausgedehnten Kutschfahrt fand Erwähnung in seinem Werk ‘An Schwager Kronos’ und lässt sich als Lebensfahrt verstehen.
Spute dich, Kronos!
Fort den rasselnden Trott!
Bergab gleitet der Weg;
Ekles Schwindeln zögert
Mir vor die Stirne dein Zaudern.
Frisch, holpert es gleich,
Über Stock und Steine den Trott
Rasch ins Leben hinein!
Zitat Goethe, Gedicht ‘An Schwager Kronos’, Strophe 1
Die Ablösung der Pferdekutsche durch das Automobil
Vom 15. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts prägten allerorts Pferdekutschen das Stadtbild. Tagaus, tagein spannten Kutscher ihre Pferde vor das Fuhrwerk und es herrschte reges Treiben in den Städten und auf dem Land.
Im Jahr 1886 orderte Gottlieb Daimler eine neue Kutsche als Geschenk für seine Frau. Der pfiffige Ingenieur baute selbst einen Motor in das Gefährt ein. Gottlieb Daimler wurde damit zum Automobilpionier und legte den Grundstein für das Automobil, welches schon bald Kutschen als die wichtigsten Verkehrsmittel dieser Zeit fast vollständig ablösen sollte. Heute ist die Kutsche ein nostalgisches Objekt, das sehnsuchtsvoll an die Romantik jener Epoche erinnert. Vielen Menschen ist die Pferdekutsche aus der kaiserlich-königlichen Zeit in Erinnerung geblieben, als Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sissi mit der prunkvollen kaiserlichen Wagenburg den europäischen Kontinent bereisten.
Die Bedeutsamkeit der Kutschen als Transport- und Reisefahrzeuge spiegelt sich auch heute noch bei zahlreichen weiteren Anlässen wider. Nach wie vor sorgen bei royalen Auftritten prunkvolle Repräsentationskutschen für emotionsgeladene Bilder und ebenso erfreuen sich Pferdekutschen als touristisches Highlight für eine gediegene Stadtrundfahrt größter Beliebtheit, denke man nur an die berühmte Rundfahrt mit dem Fiaker durch Wien. Und welches Brautpaar träumt nicht davon, sich eine prächtig geschmückte Hochzeitskutsche mieten zu können?
Zugunsten des Tierwohls: Pferdelose Kutsche
Bis zur Erfindung des Automobils war das Anspannen der Pferde vor eine Kutsche alternativlos. Das Wohl der Tiere stand nicht zur Debatte. Glücklicherweise änderte sich dies im Laufe der Zeit und heute besteht keine Notwendigkeit mehr, Kutschpferde als Nutztiere einzusetzen.
Wenngleich Pferdebesitzer Dirk Trommler seine Pferde stets mit größter Fürsorge pflegte, strikt auf kurze Arbeitszeiten achtete und für lange Erholungsphasen sorgte, entwickelte er als einer der ersten Kutscherfahrer eine neue Sensibilisierung für das Wohl seiner Pferde.
Insbesondere der Tatsache geschuldet, dass sich der Straßenverkehr in Weimar in den letzten beiden Jahrzehnten massiv durch erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Weimarer Innenstadt sowie die zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr durch lautes Hupen und Motorengeheul verändert hat. Da das urbane Treiben zunehmend stressiger sich auf die Pferde ausgewirkt hat, wurde diese Entscheidung für Pferdeliebhaber Dirk Trommler zu einem absoluten Herzensprojekt.
Weimars eKutsche – von der Idee zur Umsetzung
Die Idee, seine Pferde in den Ruhestand zu versetzen und sie gegen eine eKutsche auszutauschen, reifte lange in Dirk Trommler heran. Bereits im Jahr 2012 spielte der Kutschfahrer mit diesem Gedanken. Doch um ein solch innovatives Projekt zu realisieren, braucht man den richtigen Partner an seiner Seite, der über das technische Know how verfügt. Denn ganz so einfach, wie seinerzeit bei Gottlieb Daimler, ist es heute nicht.
Vor über 10 Jahren machte sich Kutscher Dirk Trommler auf die Suche nach Experten, die ihn von der Planung bis hin zur baulichen Umsetzung der eKutsche unterstützen würden. Seine Ansprüche waren hoch. Ziel war es, historische Tradition mit moderner Technik zu vereinen. Gleichzeitig stand die enorme Herausforderung bevor, all die liebevollen Details der traditionellen Pferdekutsche so umzusetzen, dass die eKutsche StVO-konform ist.
Neben den anspruchsvollen planerischen Herausforderungen galt es auch, den wiehernden Amtsschimmel zu besänftigen. Aufgrund des elektrischen Eigenantriebs war es erforderlich, dass Dirk Trommler den Taxi-Schein sowie den Personenbeförderungsschein erwarb. Zudem musste die neu konzipierte e-Kutsche technische Vorgaben erfüllen und zwei TÜV Prüfungen mit BOKraft Untersuchung unbeanstandet überstehen, bevor an Himmelfahrt 2024 die erste elektrische Kutschfahrt in Weimar stattfinden konnte.
Wie kommt die eKutsche in Weimar an?
Der Pionierfahrt mit der Elektrokutsche sah Dirk Trommler mit großer Aufregung entgegen. Wie würden die Passanten in Weimar auf das neuartige Gefährt, die pferdelose Kutsche, reagieren?
Doch schnell war klar: Der Kutsch-Chaffeur zieht mit seiner eKutsche neugierige und bewundernde Blicke auf sich. Viele Passanten bitten um Fotos und verwickeln den sympathischen Kutscher in interessante Gespräche, bei denen nicht nur viele Fragen gestellt werden, sondern vor allem auch begeisterte Zustimmung zuteil wird.
Das Konzept, in Weimar Kutschfahrten ohne Pferd anzubieten kommt uneingeschränkt positiv an und immer mehr Menschen nutzen geschäftliche und private Anlässe für eine Kutschfahrt ohne Pferde.
Was machen Dirk Trommlers Pferde heute?
Passanten und Fahrgäste stellen nicht nur viele Fragen rund um die Weimarer eKutsche. Das Interesse gilt vor allem auch den Pferden. Wo sind sie heute und wie geht es ihnen? Die ehemaligen Postkutschenpferde genießen ihren wohlverdienten vorzeitigen Ruhestand auf einer Koppel – fernab von Straßenlärm und Tourismus. Möchten Sie mehr darüber aus erster Hand erfahren, können Sie hier eine Kutschfahrt in Weimar buchen.